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Die Presse

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Interview GOOD NEWS

Ausgabe 29. September 2012

Weingut in Frankreich - Ein guter Abgang

Stuttgart und der Weinbau gehören zusammen. In der Region ist der Umgang mit dem Traubensaft so selbstverständlich, dass es ebenso konsequent ist, wenn ein erfolgreicher Stuttgarter von seinem eigenen Weinberg träumt. Für Marcus Hüttmann ist Wein ein Ausdruck von Wohlbefinden und Genusskunst. Mit seinem eigenen Weingut in Frankreich will er nun an das Angebot der Weinliebhaber bereichern.

GOOD NEWS: Sie waren jahrelang in der IT-Branche tätig, jetzt besitzen Sie ein Weingut bei Bordeaux. Wie kam es dazu?

Marcus Hüttmann: Eine große Faszination und Liebe für Wein hatte ich schon immer und auch den romantischen Gedanke an ein eigenes Weingut. Dann kam es in meiner Firma zu Veränderungen und ich beschloss auszusteigen. Eigentlich hatte ich mir überlegt, erst mal eine etwas längere Auszeit zu nehmen, um den angestauten Stress loszuwerden. Beim Ausstieg erzählte mir mein Berater aber von diesem Weingut in Frankreich, das eine Bekannte von ihm, auch eine ehemalige Stuttgarterin, und deren französischer Mann verkaufen wollten. Und da das Thema Weingut, neben einem eigenen Golfplatz, Ski- oder Tauchlehrer zu meinen ersten Überlegungen für die Zeit nach der Ruhepause gehörten, war das dann ein willkommener, vielleicht schicksalhafter Zufall. Ich flog hin und verliebte mich sofort in das Château la Tuilière.

GOOD NEWS: Ging dann alles so einfach weiter oder gab es Hürden, die Sie überbrücken mussten?

Marcus Hüttmann: Es war tatsächlich nicht so einfach, wie ich am Anfang geglaubt hatte. Da ist zum einen die steuerliche Thematik. Es gibt unterschiedliche Steuersätze in Frankreich und Deutschland, ich musste also Spezialisten finden und so weiter. Dann brauchte ich einen vernünftigen Businessplan, musste eine ganze Menge Leute von der Sache überzeugen. Jeder findet das erst mal klasse, aber wenn es um finanzielle Unterstützung geht, werden die Leute plötzlich vorsichtig. Denn die Idee von einem Weingut in Frankreich ist zwar romantisch, aber doch nicht greifbar genug, um zu wissen, ob das wirklich funktioniert. Außerdem gilt der Weinbau in Deutschland als sehr kompliziert und anstrengend und ist oftmals nicht mit sehr viel Einkommen verbunden. In Frankreich ist das anders. Dort gilt der Weinbau als Kulturgut und wird intensiv gefördert – in etwa wie bei uns der Automobilbau.

GOOD NEWS: Wie sehen Ihre kommenden Aufgaben als frischgebackener Weingutbesitzer aus?

Marcus Hüttmann: Die nächsten zwei bis drei Monate werde ich in Frankreich verbringen, um die Sprache zu lernen. Das eigentlich Wichtigste ist aber bei der Ernte dabei zu sein. Auch die Abfüllung des Jahrgangs von 2009 in die Flaschen steht an. Das Schöne ist auch, dass mich Philippe, der Verkäufer des Weinguts, in den nächsten drei Jahren noch begleiten wird. Von ihm bekomme ich quasi eine Privatausbildung. Ich kann viel von dem eingespielten Team dort lernen, das wirklich einen hervorragenden Wein macht, mit dem man sich nicht verstecken muss. Meine Aufgabe besteht zunächst vor allem darin, genau zu beobachten. Im kommenden Jahr werde ich dann an der Hochschule in Bordeaux Weinbau studieren. Es ist natürlich ein sehr langer Prozess bis man selbst einen richtig guten Wein herstellen und seinen Weinberg lesen und verstehen kann.

GOOD NEWS: Dürfen Sie dann noch Schorle trinken?

Marcus Hüttmann: Ja natürlich. Eines der wichtigsten Dinge, die ich gelernt habe, ist, dass jeder selbst entscheidet, ob der Wein schmeckt oder nicht. Natürlich ist es schön, wenn jemand eine Holznote schmeckt und den Geschmack von Cassis, Brombeere oder Lakritz erkennt. Grundsätzlich aber entscheidet der eigene Geschmack. Wenn es also nach deinem Geschmack ist, ein Schorle zu trinken, dann tu das. Ich mache das genauso. Ich möchte auch nach wie vor Eiswürfel in meinem Weißwein, wenn er nicht kalt genug ist. Da schlagen einige die Hand über dem Kopf zusammen. Für mich ist der Genuss das Wichtigste und, dass der Wein schmeckt – nicht, dass er ein besonderes Kunstprädikat erfüllt. (TD)

 

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